Winemaking by flying Winemakers
man kann auch Wein aus Trauben machen!
Lallemand. Laffort und Marievin, nein, das sind nicht die Deutschen die mit der Weinmarie fort wollen. Hier handelt es sich um Weinbauspezialisten aus der Chemiebranche die dem verzweifelten Winemaker jene Pülferchen liefern, die es braucht um massentaugliche Weine herzustellen: synthetische und naturidentische Hefen, Enzyme, Bakterien und Nährstoffe für die Gärung, Eichenchips, Tannine, Gummi arabicum, alles was das Herz begehrt, schauen Sie ruhig mal rein bei den Zulieferern der Winemakers bei Lallemand, Laffort oder Marivin.
Redbull aus Trauben?
"Kunstwein ist ein alkoholhaltiges Getränk, das Wein ähnelt, wie Wein genossen werden und mit Wein verwechselt werden kann, jedoch kein Wein ist." (Wikipedia)
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Unter witzigen Namen mit noch witzigeren Etiketten wie Yellow Tail, Fat Bastard, Red Byciclette oder Emilio kommen sie daher, die neuen önologischen Wunderdrinks, entstanden auf der Basis langjähriger Labor- und Konsumentenforschung. Die Flüssigkeiten aus Dr. Oenologe Frankensteins Rumpelkammer, die der Jugend gefallen sollen, fand man gestern nur in Übersee, heute sind sie aber auch bei uns kaufbar dank der EU-Landwirtschafts-Kommissarin Mariann Fischer-Boel und ihren Brüsseler-Salatköpfen dürfen sie sich sogar Wein nennen.
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Das jüngste Marken-Kind der Weinindustrie bekommen Sie nun auch in der Schweiz, die Chamarré-Weine mit dem lustigen, farbigen Schmetterling und den glatten, goldigen Medaillen.
Hinter der neuen Weinmarke Chamarré steht OVS, eine gigantische Gruppe der grössten Wein-Cooperativen und Spirituosen-Hersteller Frankreichs. Mit einem neuen Weinkonzept versuchen sie die immensen Lager aus riesigen Überproduktionen der vergangenen Jahre abzubauen. Zielmarkt: junges Publikum.
Fast schon pervertiert ist die Offenheit mit der das Konzept angepriesen wird: Qualität, Farben, Geschmack, Aromen, erforscht in Konsumenten-Studien. Die Weine sollen trinkreif, "en vogue" und "simple" sein. Die neuen Bestimmungen für die unterste gesetzlich geregelte Kategorie des französischen AOC-Systems, den Vin de Table, werden dabei arg ausgereizt. Bei den Weinen handelt es sich um Blends von Grundweinen aus so verschiedenen Regionen wie Korsika/Languedoc oder Rhone/Bordeaux. Goldfarbene Etiketten und die Verwendung von nicht reglementierten Begriffen wie "Grand Reserve", "Our finest blend", eigene, krude Labels, unterstützt von Medaillen von internationalen Weinwettbewerben, helfen die angestrebten 25 Millionen Flaschen Tischwein auch ohne Jahrgang und Herkunft zu vermarkten.
Das Rezept für die Weine stammt vom umtriebigen Chemiker und Oenologen Renaud Rosari aus Marseille. Monsieur Chiffoleau von der staatlichen Forschungsanstalt INRA in Montpellier fasst es folgendermassen zusammen: "Mann nimmt Hobelspäne und alte Weinlager-Stockreserven die man zu konzentriertem Most verarbeitet, mit neuem Wein auffrischt und aromatisiert". Der Rest ist Kapitaleinsatz und reines Marketing. Chamarre zeigt die Doppelzüngigkeit der europäischen Weinwirtschaft wunderbar auf. Gestenreiches Schimpfen über die bösen Amis und ihre Technologie auf der einen Seite, die Umsetzung des durch die Revision der europäischen Weingesetzgebung maximal Möglichen auf der gleichen Seite. Bravo, gut gemacht Gallier!
Mit Chamarre kommt endlich die langersehnte nespressosierung des Weins.
Niemand soll mehr kantige Terroirweine mit Gerbstoffen, Säuren, ungewohnten Aromen aus der Mithilfe unapetittlich wilder Hefen trinken müssen. 200 Jahre Tradition von Herkunfts- und Ursprungs-Schutzbestimmungen sind Schnee von Gestern. Nun wird erst mal richtig Kohle gemacht. Chamarre will die beiden derzeitigen Giganten in der Branche, Gallo und Mondavi binnen zwei Jahren überflügeln, helfen Sie mit, verlassen Sie diese Homepage und fragen im nächsten Bahnhofshop oder Supermarkt nach Chamarre - demnächst findet in der Schweiz die Markteinführung statt. Falls ihnen die Geduld fehlt, besuchen Sie den gut verpackten Fortschritt im Web unter www.chamarre.com
siehe auch Sonntagszeitung vom 1. Juli 2007
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